AG MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim

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Experimentelle Archäologie im Vergleich mit moderner Technik
Defensivsicherung eines Chartaques
Erweiterung der rekonstruierten Barockschanze Gersbach
 
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Die Epoche des Barocks (1615 – 1715) war nicht nur durch die kulturellen Höchstleistungen in Bereichen wie Architektur, Kunst und Musik geprägt, sondern fast einhundert Jahre lang auch gebrandmarkt durch europaweite Kriege. Ebenso war diese Zeit gekennzeichnet von verheerenden Pestwellen und dem Höhepunkt der Hexenverfolgungen. Der eigentliche Kern der Konflikte war die Glaubensspaltung in sogenannte „Rechtgläubige“ (Katholiken) und „Wüstgläubige“ (Protestanten). 

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Foto ©  Werner Störk 2014

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Der Reichtum der Gersbacher Wälder, die hier errichteten Sägewerke und die optimale Infrastruktur von befahrbaren Wegen sowie das Vorhandensein erfahrener Fuhrleute mit kompletten Ochsen- und Pferde-Gespannen machten Gersbach zum begehrten Ziel französischer Kontributionszüge. Also Beutezüge, um Baumaterial, Nahrungsmittel und Arbeitskräfte für den Bau und den Unterhalt der von dem genialen Festungsbaumeister Vauban unter Ludwig XIV. errichteten Festung Hüningen abzupressen.

 

Da die evangelisch-baden-durlachische Markgrafschaft militärisch nicht geschützt war (der Markgraf lebte im Markgräfler Hof in Basel im Exil), war es für die französischen Militärs ein Leichtes, das gesamte Markgräflerland – dazu zählt bis heute auch Gersbach – unter ständiger Bedrohung zu halten und so das Land auszupressen.

 

Um diesen massiven Übergriffen zu begegnen, ließ der kaiserliche Oberbefehlshaber der Rhein- und Kreistruppen, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden,der legendäre Türkenlouis, eine defensive Verteidigungslinie errichten: Von der Murg am Hochrhein im Süden bis nach Heidelberg am Neckar im Norden. Mit ihren Seitenlinien eine mehr als 550 Kilometer lange Schanzlinie – länger als der Römische Limes. 

 

Gersbach war dabei ein sehr entscheidender Knotenpunkt: hier zweigte ab 1698 die neu errichtete „Vordere Linie“ von der älteren „Hinteren Linie“ ab und sicherte so vor allem das bis dahin ungeschützte Reichsgebiet, das ab Zell bis zum Feldberg reichte. So wurde vor dem Linienbau z. B. Schönau gleich viermal von französischen Truppen angegriffen.

 

Schanzen sind im Gegensatz zu gemauerten Festungswerken reine Erdwerke – bestehen also ganz aus der aus dem Graben gewonnenen Erde. Diese wird durch Verdichten als Wallkörper geformt. Es gibt unterschiedliche Formen: von der einfachen Redoute (quadratische Viereckschanze) bis hin zu den optimal zu verteidigenden Sternschanzen. In und um Gersbach liegen allein 12 solcher Schanzen, im näheren Einzugsbereich insgesamt weitere 130 – allesamt von Schanzbauern in harter und unerbittlichen Hand- und Fuhr-Fron, also Zwangsarbeit, errichtet.

 

Im Vorfeld der Feier zum 300-jährigen Jubiläum der Barockstadt Karlsruhe 2015 arbeitet derzeit ein SWR-Team an einen Film über den "Barock im Südwesten“. Neben dem 90-minütigen Fernsehfilm sollen zusätzlich fünf 15-minütige Dokumentationen für das Schulfernsehen "Planet Schule" entstehen, bei dem auch der 2007/2008 errichtete Nachbau der Gersbacher Barockschanze (Bild unten) nicht fehlen durfte.

 

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Foto © Erich Meyer 2002
 

Wie muss man sich die Errichtung eines so mächtigen Schanzwerks unter den Bedingungen des 17. Jahrhunderts vorstellen? Das war eine der Fragen, diedas SWR-Team dokumentieren wollten. Alle dafür notwendigen Arbeiten sollten vom Fernsehteam mit dem bekannten Regisseur Peter Prestel (unten rechts) und seinem Kameramann Klaus Hernitschek (Mitte) an einem exemplarischen Beispie lim Film festgehalten werden.

 

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Foto © Heiner Fabry  2014

 
Regisseur Peter Prestel und Kameramann Klaus Hernitschek mit Werner Störk (links). 
 
 

Peter Prestel (* 22. Dezember 1962 in Kempten, Allgäu) ist ein deutscher Dokumentarfilmer, Autor, Regisseur und Filmproduzent Prestel, Absolvent  der Hochschule für Fernsehen und Film in München, hat als Autor, Regisseur und Produzent mit seiner Filmproduktionsfirma Peter Prestel Filmproduktion mehr als 200 Filmbeiträge mit einem thematischen Schwerpunkt in den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Geschichte und Archäologie für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten angefertigt. Zu diesen gehören verschiedene Folgen der Primetime-Sendereihen Schliemanns Erben und Terra X. Zusammen mit Gisela Graichen hat er 2007 das Internet-TV-Format DFG Science TV entwickelt und seitdem mehrere Projekte zur Wissenschaftsvermittlung im Internet gestaltet. Peter Prestel war 2007 einer der Journalistenpreisträger des Deutschen Preises für Denkmalschutz. Der Preis zeichnet eine vorbildliche Berichterstattung im Themenbereich Kulturdenkmalschutz und -pflege aus.  

 

Terra X Die letzten Minuten: Archäologie auf Schlachtfeldern, ZDF 2013

Die Kelten im Südwesten, SWR 2012

Das Keltenexperiment, 3 Folgen, SWR 2012

Terra X Die Bernsteinstraße, 2 Folgen, ZDF/Arte 2012

Das Römerexperiment, 8 Folgen, SWR 2011/2012

Terra X: Die Deutsche Hanse: Eine heimliche Supermacht, 2 Folgen, ZDF 2011

Die Römer im Südwesten, 2 Folgen, SWR 2011

Die letzte Zeugin: Die Tote aus dem Moor, ZDF 2011

Kleopatras Tod: Eine wissenschaftliche Spurensuche, ZDF 2010

Hitlers betrogene Generation: Kriegskinder in Bayern, 2 Folgen, BR 2010

Schliemanns Erben: Das Vermächtnis der Steppenkrieger

Schliemanns Erben:Die versunkene Stadt der Wolkenmenschen

Schliemanns Erben:Vorstoß der deutschen Hanse

Schliemanns Erben: Heiße Spur auf Rapa Nui, ZDF 2010

Das Erbe der Bombennächte: Der Hamburger Feuersturm, ZDF 2010

Schliemanns Erben: Das Gold von Sican

Schliemanns Erben: Der schwarze Schrein von Goa

Schliemanns Erben: Die Rückkehr der Eismumie, ZDF 2008

Hitlers Verbündete, 3 Folgen, BR 2009

Die Goldfahnder: Auf der Suche nach dem goldenen Vlies, Arte 2009

Schliemanns Erben: Der Limes, 2 Folgen, ZDF 2009

Die lange Nacht der Varusschlacht, ZDF 2009

Ein Franke entdeckt Alaska: Das abenteuerliche Leben des G. W. Steller, BR 2009

Das Berliner Schloß: Eine deutsche Geschichte, ZDF 2008

Klänge der Welt, 2 Folgen, SWR 2008

Kannibalen und Knochenjäger, ZDF 2008

Hadubrandt, ein Händler im Mittelalter: Reisen in die Vergangenheit, BR 2007

Die goldene Nacht der Skythen, ZDF 2007

Tatort Fürstengrab: Hightech Fahndung nach Grabräubern, ZDF 2007

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Prestel


Für einen entsprechenden Film, der im kommenden Sommer (2015) ausgestrahlt wird, wurde intensiv ein aussagefähiges Beispiel gesucht – und gefunden: Die Barockschanze von Gersbach.

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Foto © Werner Störk 2014

 
Kameramann Klaus Hernitschek  
 

In Gersbach steht der Wach(t)- und Signalturm – auch Chartaque genannt – direkt neben der Schanze. Damit sollte für den Besucher zum Ausdruck gebracht werden, dass die Schanzlinien nicht nur aus Schanzen und Kommunikationslinen (Laufgräben) bestanden. In Wirklichkeit stand aber ein solcher Turm immer weiter von einer Schanze entfernt und nicht so, wie es das Gersbacher Ensemble zeigt.

 

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Foto © Archiv Werner Störk 2014

 

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Foto © Archiv Werner Störk 2014

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Foto © Archiv Weer Störk 2014

Denn ein Wach(t)- und Signalturm – auch Chartaque genannt – wurde immer dort errichtet, wo der direkte Sichtkontakt zwischen zwei Schanzen durch ein Hindernis - sei es ein Hügel, ein Berg  oder hochgewachsener Wald -  nicht möglich war, um so dennoch die schnelle Verständigung zwischen den Schanzen durch Spiegel-, Feuer- und Rauchzeichen, manchmal auch Mörser (bei Nebel), sicher zu stellen (siehe Grafik unten). 

 

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Foto © Archiv Werner Störk 2014

 

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Grafik & Foto ©  Werner Störk 2014

 
 

Waren solche Chartaques strategisch sehr wichtig, wurde auch diese mit Wallgräben und Palisaden zusätzlich geschützt. Und da bot sich der Signalturm von Gersbach natürlich an, um hier einen zusätzlichen Abwehrring zu errichten. Man entschied sich für dieForm einer Scherenschanze, im regulären Festungsbau - im Gegensatz zu den reinen Erdwerken - auch Lunette genannt. Als vor-gesetztes Werk sollte es den Chartaque von Angriffen aus dem Westen zusätzlich schützen.

 

Die nachfolgenden Fotos dokumentieren den pfeilförmigen Schanzenkorpus, den Verlauf der Gräben bis in den Hauptgraben, die komplette Ausstattung mit Palisaden (mit dem Verbindungsteil zum Chartaque), ein Blick vom Chartaque auf die komplette Palisaden-Reihe links und rechts - mit Verbindung zur Palisadenreihe rund um den Chartaque sowie die alternative Konstruktion ohne Erd-Verbindung zum Turm: Der dabei entstehende neue Wallgraben wird mit einer einziehbaren oder einer hochziehbaren Holzbrücke überwunden.

 

Aus Stabilitätsgründen (aber auch aus Sicherheitsüberlegungen für den für Besucher jederzeit  frei zugänglichen Bereich) haben wir uns für die Beibehaltung des Verbindungsteils zwischen Vorwerk und Turm entschieden. Die komplette Palisadenreihe mit integrierter Brustwehr hätte so eine gegenseitige Musketen-Bestreichung ermöglicht und damit - ähnlich wie bei Sternschanzen - einen optimalen Flankenschutz ohne toten Angriffswinkel ermöglicht.

 

Was auch schnell deutlich wurde: Die idealisiert-geometrischen Skizzenvorlagen stoßen relativ schnell an die Grenzen ihrer praktischen Durchführbarkeit - vor allem dann, wenn die Verzahnungsqualität des Bodens nicht die notwendige Standfestigkeit garantiert und somit "Kompromisse" im wahrsten Sinne des Wortes "eingebaut" werden müssen, um das Gesamtprojekt nicht zu gefährden. Dennoch sind die ersten Entwürfe relativ nah an den historischen Vorbildern orientiert. Wobei mit Lunette oder Lünette natürlich nur die Form und nicht die ursprüngliche Funktion im "gemauerten" Festungsbau gemeint ist. Dies gilt ebenso für den Bergiff der experimentellen Archäologie: Eigentlich beinhaltet dieser, dass wirklich umfänglich "original" nachgearbeitet wird. Bei uns mußten wir schon aus rein zeitlichen Gründen auch den Einsatz moderner "Hilfsmittel" einplanen. Dennoch konnten wir phasenweise diesem Anspruch sehr nahe kommen.

 

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Foto © Werner Störk 2014

 
 

Foto & Grafik ©  Werner Störk 2014

Störk 2014

Wallkorpus Vorposten (rot), Wallgraben Vorposten (orange) mit Verbindung zum Hauptgraben und 

ursprünglichen Chartaque-Wallgraben (gelb).

 

Foto & Grafik ©  Werner Störk 2014

 
Vorpostenkorpus (rot) mit Palisaden (orange) und innenliegender, umlaufenden Brustwehr (rotbraun).
 

Foto & Grafik ©  Werner Störk 2014

 

Wallkörper Vorposten (rot) mit Wallkörper Chartaque (gelb) und Palisaden (orange) sowie 

Brückenverbindung und Gattertor.

 

Mit Hilfe von nachgebauten Werkzeugen - die Vorlagen dazu lieferten originale Kupferstiche aus jener Zeit– sollte das Projekt zumindest teilweise die Arbeit der alten Schanzbauern nachvollziehen. Verantwortlich dafür zeichnete Mike Grünwald, freischaffender Bühnen- und Kostümbildner sowie Ausstatter für Film und Fernsehen. Aber auch mit modernen „Hilfsmittel“ (Bagger und Motorsägen) sollte an zwei Wochenenden im September diese neue Defensivanlage entstehen - auch um konkrete Vergleichswerte an Zeit und Kraft zu erhalten. Dankenswerter Weise stellte die Fa. Engesser (Schönau) uns wieder Baggerführer Kiefer zur Verfügung, der bereits schon beim Bau der großen Barockschanze eindrucksvoll seine technischen Qualitäten unter Beweis stellte. Auch jetzt wieder wurde er zum Garanten einer optimalen Umsetzung der auf dem Papier entworfenen Pläne.

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Foto © Heiner Fabry  2014

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Foto & Repro © Werner Störk 2014

Foto © Heiner Fabry  20144

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Die zu bauende Scheren-Schanze wurde sorgfältige ausgemessen und die Linien – entsprechend dem historischen Vorbild – mit  Seilen ausgepflockt und entlang der Seilzüge „vormodelliert“. Danach wurde die gesamte Grasnarbe (Grassoden) abgetragen und für die spätere Abdeckung des Wallkorpus aufgeschichtet. Anschließend ging man daran, den Wallgraben mit den historischen Werkzeugen abzutiefen.

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Unter der tatkräftigen Hilfe eines rund zwanzigköpfigen Teams aus Gersbach – darunter auch die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Gersbach - entstand Schritt für Schritt ein massiver, mit schräg eingesetzten Palisaden bewehrter Scherengraben – wobei eine  starke Bohlenwand, außen verstärkt mit Baumschwarten, den Verteidigern Sicht- und Bewegungsschutz garantierte. Das Profil des  Grabens wurde in V-Form so angelegt, dass ein Begehen der Grabensohle nicht möglich sein sollte (Spitzgraben).

 

Aus Nachhaltigkeitsgründen wurde auf eine Rundum-Bestückung mit Palisaden verzichtet – es wären dazu mehr als 280 Rundhölzer notwendig gewesen. Um beispielsweise die große Barockschanze komplett mit Palisaden (Eichenstämme) auszustatten, müssten über 1.400 Baumstämme – alle über 3 Meter lang und möglichst gerade gewachsen – bereitgestellt werden. Neben dem Bergbau und den Glashütten war auch der Schanzenbau ein massiver "Waldfresser". Im Umfeld der Schanzlinien standen bald keine Bäume mehr und so kaum es zu einer großflächigen Verhurstung. Gleichzeitig fand die einheimiische Bevölkerung kaum noch Brennholz - was zur Folge hatte, dass in der Nacht Palisaden und Verhau "geplündert" wurden.

 

Die nachfolgenden Skizzen sollen in 3-D verdeutlichen, wie die Vervollständigung der Palisadenwände ausgesehen haben kann. Wobei zur besseren Verteidigung zwischen den beiden Werken - Vorwerk und Chartaque - zusätzlich Gattertore eingebaut wurden, die im Verteidigungsfall geschlossen wurden und so einen zusätzlich geschützten Rückzugsraum schufen. Bedingt durch die Erd-Verbindung  zwischen Vorwerk und Chartaque ergibt sich ein Zwischenbereich, der zusätzlich auch durch Palisaden gesichert werden muss. Bei 

einer Holzbrückenverbindung entfällt diese - würde aber auch im Laufgraben zusätzlich mit Spitzpalisaden sowie das Vorwerk mit einem Gattertor ausgestattet werden.

 
 

Foto © Werner Störk 2014

 

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Foto © Werner Störk 2014

 

Um die Stabilität der Pailsadenwand zu gewährleisten, wurde diese nicht nur mit querlaufenden Schwarten verstärkt, sondern zusätzlich noch mit Seilen in einer doppellaufenden Schlingentechnik gesichert. Damit würde bei einem Angriff ein gezieltes Herausbrechen einzelner Palisaden unmöglich. Ganz nebenbei sichern wir so auch die Palisadenwand gegen die hier z. T. sehr starken Windlastwerte - die auch schon mal 120 km/h und mehr erreichen können und zusammen mit Neuschnee zu einer extremen Belastung der Palisadenwand führen. Wir kennen diese Belastung bereits vom Bau der Barockschanze, wo wir auch das ursprünglich komplett geschlossene Gattertor nachträglich lichter gestalten mußten, um die Wind- und Schneelast abzufangen. Auch die ursprünglich geplante Turmhöhe des Chartaques wurde deshalb gekürzt.

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 

Als Abschluß der Palisadenwand dient oben eine querliegende Rundpalisade (Pfeil): die dadurch entstandene Auflage zwischen den Palisadenspitzen war ideal zur sicheren Auflage der Musketen und damit Garant für ein ruhiges Zielen. Kleine Sandsäcke, die man zwischen die Palisadenspitzen legte, erhöhten und verstärkten diese Musketen-Unterlage und dienten gleichzeitig als zusätzlichen  Kugelfang.  

 

Foto & Grafik © Werner Störk  2014

 

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Foto © Werner Störk 2014

 
Blick vom Chartaque auf das Vorwerk und den Verbindungswall sowie die Wallgräben
 

 

Foto & Grafik © Werner Störk 2014

 

Foto & Grafik © Werner Störk 2014

 
Mögliche Raumnutzung mit doppelflügigem Gattertoren am Vorposten und zum Chartaque.
 

Foto & Grafik © Werner Störk 2014

 

So könnte der Vorposten als fertiges Werk ausgesehen haben: Um die Verbindung zwischen Chartaque und Vorwerk zu sichern, wären auch hier Palisaden notwendig. Um beide Defensivsysteme zu sichern, wären eingebaute doppelflügige Gattertore wichtig und sinnvoll. Alternativ

dazu wäre eine kompakte Palisadenwand mit kleiner eingebauter Tür vorstellbar. Zusätzlich wurde in diesem Beispiel auch noch eine zusätzliche Brustwehr eingebaut, um außen die jeweiligen Seitenflanken zu sichern.

 

Foto & Grafik © Werner Störk 2014

 

Würde der Vorposten als eigenständiges Werk installiert, also ohne direkte Erdanbindung an den Chartaque, würde der dabei entstehende Wallgraben mittels hoch- oder einziehbarer Holzbrücke überspannt werden müssen. Wobei die Einrichtung als eigenständiges Werk bei Angriffen bzw. Belagerung die Gefahr der "Abschnürung" bzw. der Isolierung der dort agierenden Verteidiger beinhaltet. Dies wäre nur zuumgehen, wenn sich die Verteidiger  früh- und damit rechzeitig in den Chartaque zurückziehen. Dies würde aber den strategischen Wert des Vorwerks nachhaltig schmälern, da mit dem Rückzug auch die Flankensicherung wegfallen würde.

 

Foto & Grafik © Werner Störk 2014

 

Die untere Skizze veranschaulicht die Situation mit hochgezogener Ziehbrücke - die Bretter und Bohlen schließen exakt die links und rechts angrenzenden Palisadenwände und bieten somit Sicht- und Bewegungsschutz. Die Zugbrücke wird innen mit einem massiven Querbalken gesichert. 

 

Foto & Grafik © Werner Störk 2014

 

Die nachfolgende Skizze veranschaulicht den Zustand in unmittelbarer Erwartung eines Angriffs: Die Gattertore sind geschlossen, die Laufgräben und sonst betretbaren Flächen sind mit Krähenfüßen gespickt, ebenso der Schleppverhau. Und die Wolfsgruben im Vorfeld (Glacis) 

sind frisch abgedeckt und so optimal für Angreifer getarnt.

 

Foto & Grafik © Werner Störk 2014

 

Die Brustwehr ermöglichte den Verteidigern der Schanzanlage freie Sicht auf die strategisch wichtigen Punkte der Umgebung.Zusätzliche – bei Angriffen verschließbare – Sicht- und Schießluken sorgten einerseits für einen optimalen und geschützten  Blick und andererseits für ein freies Schußfeld mit gegenseitiger Flankendeckung. Die optimale Bestreichung des gesamten eigenen Vorpostens (gelbe Linien) sowie dessen Laufgräben und Vorfeld (Glacis) ist vergleichbar mit der Verteidigungssituation  einer Sternschanze (siehe unten am Beispiel der Sternschanze von Neuenweg), deren ein- und ausspringende Winkel ebenfalls eine ideale Rundumverteidigung ermöglichten.

 

Foto & Grafik© Werner Störk  2014

 
Um den Vergleich mit der Funktionsfähigkeit einer Sternschanze zu verdeutlichen, hier ein Foto von Neuenweg:
 

Luftbild © Erich Meyer 2014

 

Miodell & Foto & Grafik© Werner Störk  2014

 

Ein maßstabgetreues Modell der Sternschanze von Neuenweg. 

 

Mit roten Punkten sind die ausspringenden Winkel und mit gelben Punkten die einspringenden Winkel gekennzeichnet. Die ausspringenden Winkel ermöglichten einen effektiven Flankenschutz der einspringenden Winkel und umgekehrt, so dass man eine effektive Rundumverteidigung der Schanze erreichte. Im Gegensatz zur Redoute (Viereckschanze) gab es bei einer Sternschanze keine toten Winkel mehr, die ein Gegner – ohne vom Abwehrfeuer der Verteidiger getroffen zu werden – zum erfolgreichen Angriff auf eine Viereckschanze nutzen konnte. Daher wurde die Redoute-Form primär als Linien-Schanze eingesetzt, da sich an der Linie die Verteidigung mehrheitlich nur auf eine Abwehrrichtung beschränkte, aus der man den feindlichen Angriff erwartet. Auch im Fall von Neuenweg aus Westen.

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Dort, wo es Probleme mit der Verzahnung des ausgehobenen Bodenmaterials gab, wurden Faschinen eingesetzt. Der Wallkorpus wurde mehrheitlich mit Gras-Soden abgedeckt - dies schützt vor Austrocknung und mindert damit die Gefahr der Abrutschung beim  nächsten Starkregen. Der Gras-Soden stärkt grundsätzlich den Schutz der Walloberfläche gegen Erosion. Auf noch offenen Flächen  wurde deshalb auch Gras angesät. Gleichzeitig mindert das Gras - im Gegensatz zu unbedeckten Erde - die Griffigkeit beim Überspringen. Nach vier Wochen wächst schon die Neuansaat... noch rechtzeitig vor dem ersten Wintereinbruch.

 

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Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 
   

Fotos © Werner Störk 2014

 

Weitere Palisaden schützen nun auch den inneren Wall des Chartaque – außen wurde mittels Schleppverhau – neben dem üblichen Verhack und Verhau – zusätzlich ein weiteres Annäherungshindernis aus gefällten Bäumen angelegt.

 

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Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 

Foto © Werner Störk  2014

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Im Verhau wurde sogar symbolisch eine Brombeere gepflanzt – „grüner Stacheldraht“. Mit solchen schon sehr schnell undurchdringlichen Brombeer-Hecken 

(Dornröschen lässt grüßen) schützte man zusätzlich ausgesprochen wirkungsvoll  diese rein defensiven Verteidigungsanlagen.

 

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Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Werner Störk 2014

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In den Wallgräben wurden einst „Krähenfüße“ ausgelegt – eiserne „Dornigel“ als „Fußangeln“ – die dem Angreifer die Ledersohlen durchbohrten und auch im Vorfeld von Schanzanlagen gegen

Reiter bzw. deren Pferde eingesetzt wurden - eine gefürchtete und unter Berücksichtigung der historischen  Wundversorgung äußerst gefährlichen Defensivwaffe.

 

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Foto © Werner Störk 2014

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Und natürlich fehlen auch nicht die berüchtigten Wolfsgruben – gut getarnte, wie auf einem Schachbrett angelegte Fallgruben, deren am Grund mit Seilen befestigter und oben angespitzter, im Feuer

gehärteter Holzpfahl inoperable Wunden schlug. Das Team entschied, diese Fallgruben nur symbolisch anzudeuten, um Risiken für Besucher zu minimieren.

 

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Foto © Werner Störk 2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 

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Nach zwei bzw. drei Tagen intensiver Teamarbeit konnte man die Anlage fertigstellen. Läge der Turm – wie einst im Barock – als solitäres Bauwerk, also frei in der Landschaft – würde man jeder Seite mit einem solchem „Sternzacken“ (ausspringendem Winkel) versehen und so optimal schützen (Skizze: Idealtypische Defensivstruktur zur Verteidigung einer Schanze oder Chartaques).

 

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Fotos & Skizzen © Werner Störk 2014

 

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Heiner Fabry  2014

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Foto © Deiss 2014

 

Foto © Werner Störk 2014

 
Ein große Infotafel informiert den Besucher der Barockschanze Gersbach nun auch über den neuen defensiven Abwehrbereich
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Allen Beteiligten an diesem tollen Projekt gilt unser herzlicher Dank!

 

Weitere Direktlinks (Presseartikel & Fotos) 

 
Kompaktes Bollwerk gestaltet
Schanze für Anstürme gerüstet
Schufterei mit Spaten und Stampfer
Schanze wird fürs Fernsehen gerüstet
SWR dreht Film an der Barockschanze
Knochenarbeit an der Schanze für die Kamera
 
 

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