AG MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
 Werkrealschule > Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim

Experimentelle Archäologie
Gesicherter Chartaque
Erweiterung der Barockschanze Gersbach
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Die Epoche des Barocks (1615 – 1715) war nicht nur durch die kulturellen Höchstleistungen in Bereichen wie Architektur, Kunst und Musik geprägt, 

sondern fast einhundert Jahre auch gebrandmarkt durch europaweite Kriege. Ebenso war diese Zeit gekennzeichnet von verheerenden Pestwellen und 

dem Höhepunkt der Hexenver-folgungen. Der eigentliche Kern der Konflikte: die Glaubensspaltung in „Rechtgläubige“ (Katholiken) und „Wüstgläubige“ 

(Protestanten). 

Der Reichtum der Gersbacher Wälder, die hier errichteten Sägewerke und die optimale Infrastruktur von befahrbaren Wegen sowie das Vorhandensein 

erfahrener Fuhrleute mit kompletten Ochsen- und Pferde-Gespannen machten Gersbach zum begehrten Ziel französischer Kontributionszüge. Also 

Beutezüge, um Baumaterial, Nahrungs-mittel und Arbeitskräfte für den Bau und den Unterhalt der von dem genialen Festungs-baumeister Vauban unter 

Ludwig XIV. errichteten Festung Hüningen abzupressen.

Da die evangelisch-baden-durlachische Markgrafschaft militärisch nicht geschützt war (der Markgraf lebte im Markgräfler Hof in Basel im Exil), war es für 

die französischen Militärs ein Leichtes, das gesamte Markgräflerland – dazu zählt bis heute auch Gersbach – unter ständiger Bedrohung zu halten und 

so das Land auszupressen.

 

Um diesen massiven Übergriffen zu begegnen, ließ der kaiserliche Oberbefehlshaber der Rhein- und Kreistruppen, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden,

der legendäre Tür-kenlouis, eine defensive Verteidigungslinie errichten: Von der Murg am Hochrhein im Süden bis nach Heidelberg am Neckar im Norden. 

Mit ihren Seitenlinien eine mehr als 550 Kilometer lange Schanzlinie – länger als der Römische Limes. 

Gersbach war dabei ein sehr entscheidender Knotenpunkt: hier zweigte ab 1698 die neu errichtete „Vordere Linie“ von der älteren „Hinteren Linie“ ab und 

sicherte so vor allem das bis dahin ungeschützte Reichsgebiet, das ab Zell bis zum Feldberg reichte. So wurde vor dem Linienbau z. B. Schönau gleich 

viermal von französischen Truppen angegriffen.

Schanzen sind im Gegensatz zu gemauerten Festungswerken reine Erdwerke – bestehen also ganz aus der aus dem Graben gewonnenen Erde. Diese wird 

durch Verdichten als Wallkörper geformt. Es gibt unterschiedliche Formen: von der einfachen Redoute (quadratische Viereckschanze) bis hin zu den optimal 

zu verteidigenden Sternschanzen. In und um Gersbach liegen allein 12 solcher Schanzen, im näheren Einzugsbereich insgesamt weitere 130 – allesamt von 

Schanzbauern in harter und unerbittlichen Hand- und Fuhr-Fron, also Zwangsarbeit, errichtet.

Im Vorfeld der Feier zum 300-jährigen Jubiläum der Barockstadt Karlsruhe 2015 arbeitet derzeit ein SWR-Team an einen Film über den "Barock im Südwesten“. 

Neben dem 90-minütigen Fernsehfilm sollen zusätzlich fünf 15-minütige Dokumentationen für das Schulfernsehen "Planet Schule" entstehen, bei dem auch der 

2007/2008 errichtete Nachbau der Gersbacher Schanze nicht fehlen durfte

Foto © Erich Meyer 2002

Wie muss man sich die Errichtung eines so mächtigen Schanzwerks unter den Be-dingungen des 17. Jahrhunderts vorstellen? Das war eine der Fragen, die

das SWR-Team dokumentieren wollten.Alle dafür notwendigen Arbeiten sollten vom Fernsehteam mit dem bekannten Regisseur Peter Prestel (rechts) im Film 

festgehalten werden.

Foto © Heiner Fabry  2014

P eter Prestel (* 22. Dezember 1962 in Kempten, Allgäu) ist ein deutscher Dokumentarfilmer, Autor, Regisseur und Filmproduzent.

Prestel, Absolvent der Hochschule für Fernsehen und Film in München, hat als Autor, Regisseur und Produzent mit seiner Filmproduktionsfirma 

Peter Prestel Filmproduktion mehr als 200 Filmbeiträge mit einem thematischen Schwerpunkt in den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Geschichte 

und Archäologie für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten angefertigt. Zu diesen gehören verschiedene Folgen der Primetime-Sendereihen Schlie-

manns Erben und Terra X. Zusammen mit Gisela Graichen hat er 2007 das Internet-TV-Format „DFG Science TV“ entwickelt und seitdem mehrere 

Projekte zur Wissenschaftsvermittlung im Internet gestaltet. Hier eine Auswahl:

Terra X Die letzten Minuten: Archäologie auf Schlachtfeldern, ZDF 2013

Die Kelten im Südwesten, SWR 2012

Das Keltenexperiment, 3 Folgen, SWR 2012

Terra X Die Bernsteinstraße, 2 Folgen, ZDF/Arte 2012

Das Römerexperiment, 8 Folgen, SWR 2011/2012

Terra X: Die Deutsche Hanse: Eine heimliche Supermacht, 2 Folgen, ZDF 2011

Die Römer im Südwesten, 2 Folgen, SWR 2011

Die letzte Zeugin: Die Tote aus dem Moor, ZDF 2011

Kleopatras Tod: Eine wissenschaftliche Spurensuche, ZDF 2010

Hitlers betrogene Generation: Kriegskinder in Bayern, 2 Folgen, BR 2010

Schliemanns Erben: Das Vermächtnis der Steppenkrieger

Schliemanns Erben:Die versunkene Stadt der Wolkenmenschen

Schliemanns Erben:Vorstoß der deutschen Hanse

Schliemanns Erben: Heiße Spur auf Rapa Nui, ZDF 2010

Das Erbe der Bombennächte: Der Hamburger Feuersturm, ZDF 2010

Schliemanns Erben: Das Gold von Sican

Schliemanns Erben: Der schwarze Schrein von Goa

Schliemanns Erben: Die Rückkehr der Eismumie, ZDF 2008

Hitlers Verbündete, 3 Folgen, BR 2009

Die Goldfahnder: Auf der Suche nach dem goldenen Vlies, Arte 2009

Schliemanns Erben: Der Limes, 2 Folgen, ZDF 2009

Die lange Nacht der Varusschlacht, ZDF 2009

Ein Franke entdeckt Alaska: Das abenteuerliche Leben des G. W. Steller, BR 2009

Das Berliner Schloß: Eine deutsche Geschichte, ZDF 2008

Klänge der Welt, 2 Folgen, SWR 2008

Kannibalen und Knochenjäger, ZDF 2008

Hadubrandt, ein Händler im Mittelalter: Reisen in die Vergangenheit, BR 2007

Die goldene Nacht der Skythen, ZDF 2007

Tatort Fürstengrab: Hightech Fahndung nach Grabräubern, ZDF 2007

 

Peter Prestel war 2007 einer der Journalistenpreisträger des Deutschen Preises für Denkmalschutz. Der Preis zeichnet eine vorbildliche 

Berichterstattung im Themenbereich Kulturdenkmalschutz und -pflege aus.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Prestel

 

Für einen entsprechenden Film, der im kommenden Sommer ausgestrahlt wird, wurde intensiv ein aussagefähiges Beispiel gesucht – 

und gefunden: Die Barockschanze von Gersbach.

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Werner Störk 2014

In Gersbach steht der Wach(t)- und Signalturm – auch Chartaque genannt – direkt neben der Schanze. Damit sollte zum Ausdruck gebracht

werden, dass die Schanzlinien nicht nur aus Schanzen und Kommunikationslinen (Laufgräben) bestanden. Sondern dass dort, wo der direkte 

Sichtkontakt zwischen zwei Schanzen z. B. durch einen Hügel nicht möglich war, eben ein solcher Turm errichtet wurde, um die schnelle 

Verständigung (Spiegel- u. Feuerzeichen, manchmal auch Mörser) sicher zu stellen

Foto © Werner Störk 2014

Waren solche Chartaques strategisch sehr wichtig, wurde auch diese mit Wallgräben und Palisaden zusätzlich geschützt. Und da bot sich der

Signalturm von Gersbach natürlich an, um hier einen zusätzliche Abwehrring zu errichten. Man entschied sich für die Form einer Scherenschanze, 

im regulären Festungsbau - im Gegensatz zu den reinen Erdwerken - auch Lunette genannt, zu versuchen.

 

Foto © Werner Störk 2014

 

Mit Hilfe von nachgebauten Werkzeugen – die Vorlage dazu lieferten alte Kupferstiche aus jener Zeit – aber auch mit modernen „Hilfsmittel“ 

(Bagger) sollte an zwei Wochenenden im September diese neue Defensivanlage entstehen.

Foto © Heiner Fabry  2014

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Heiner Fabry  2014

Die zu bauende Scheren-Schanze wurde sorgfältige ausgemessen und die Linien – entsprechend dem historischen Vorbild – mit Seilen ausgepflockt 

und entlang der Seilzüge „vormodelliert“. Danach wurde die Grasnarbe (Grassoden) abgetragen und für die spätere Bedeckung des Wallkorpus aufge-

schichtet. Anschließend ging man daran, den Wallgraben mit den historischen Werkzeugen abzutiefen.

Foto © Heiner Fabry  2014

Unter der tatkräftigen Hilfe eines rund zwanzigköpfigen Teams aus Gersbach – darun-ter auch die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Gersbach - entstand 

Schritt für Schritt ein massiver, mit schräg eingesetzten Palisaden bewehrter Scherengraben – wobei eine starke Bohlenwand, verstärkt mit Baum-

schwarten, den Verteidigern Sicht- und Bewegungsschutz garantierte. Das Profil des Grabens wurde als „V“ so angelegt, dass ein Begehen der Graben-

sohle nicht möglich sein sollte

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Werner Störk 2014

Eine Brustwehr ermöglichte es den Verteidigern der Schanzanlage freie Sicht auf die strategisch wichtigen Punkte der Umgebung. Zusätzliche – bei 

Angriffen verschließbare - Sichtlucken sorgten für einen optimalen und geschützten Blick.

Foto © Heiner Fabry  2014

 

Foto © Werner Störk 2014

Aus Nachhaltigkeitsgründen wurde auf eine Rundumbestückung mit Palisaden ver-zichtet – es wären dazu mehr als 280 Rundhölzer notwendige gewesen. 

Um z. B. die große Barockschanze komplett mit Palisaden (Eichenstämme) auszu-statten, müssten über 1.400 Baumstämme – alle über 3 Meter lang – 

bereitgestellt werden.

Dort, wo es Probleme mit der Verzahnung des ausgehobenen Bodenmaterials gab, wurden Faschinen eingesetzt. Der Wallkorpus wurde mehrheitlich mit 

Gras-Soden abgedeckt. Auf noch offenen Flächen wurde Gras angesät.

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Heiner Fabry  2014

Weitere Palisaden schützen nun auch den inneren Wall des Chartaque – außen wurde mittels Schleppverhau – neben dem Verhack und Verhau – 

zusätzlich ein weiteres Annäherungshindernis aus gefällten Bäumen angelegt.

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Heiner Fabry  2014

Im Verhau wurde sogar symbolisch eine Brombeere gepflanzt – „grüner Stacheldraht“. Mit solchen schon sehr schnell undurchdringlichen Brombeer-Hecken 

(Dornröschen lässt grüßen) schützte man zusätzlich noch diese rein defensiven Verteidigungsanlagen.

Foto © Heiner Fabry  2014

Foto © Werner Störk 2014

In den Wallgräben wurden einst „Krähenfüße“ verstreut – eiserne „Dornigel“ als „Fußangeln“ – die dem Angreifer die Ledersohlen durchbohrten und 

auch im Vorfeld von Schanzanlagen gegen Reiter eingesetzt wurden. 

Foto © Werner Störk 2014

Und natürlich fehlen auch nicht die berüchtigten Wolfsgruben – gut getarnte, wie auf einem Schachbrett angelegte Fallgruben, deren am Grund 

befestigter Holzpfahl inoperable Wunden schlug. Das Team entschied, diese Fallgruben nur symbolis ch anzudeuten.

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Werner Störk 2014

Nach zwei bzw. drei Tagen intensiver Teamarbeit konnte man die Anlage fertigstellen. Läge der Turm – wie einst im Barock – als solitäres Bauwerk, 

also frei in der Landschaft – würde man dieses an jeder Seite mit einem solchem „Sternzacken“ (ausspringender Winkel) versehen und so optimal 

schützen (Skizze).

Foto © Werner Störk 2014

Foto © Werner Störk 2014

 

Das Gersbacher Team hat in relativ kurzer Zeit eine erstaunliche und beispielhafte Gemeinschaftsarbeit ermöglicht – mit dabei waren: Christian Walter, 

Manfred Deiss, Michael Geist, Ernst Weniger, Ralf Ühlin, Rolf Dieter Schmidt, Werner Störk, Benjamin Ühlin, Peter Doege, Dieter Deiss, Tom Schmid, 

Julas Schmid, Marvin Walter, Noel Walter, Eileen Nann, Luke Nann, Frederik Ühlin, Isabella Ühlin, Marco Streich, Philip Ühlin, Paul Baier, Pascal 

Urich und Lukas Pittdorf.

 

Foto © Deiss 2014

 

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