AG    MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
 Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim

 
 

Die Bleierz-Grube am Spitzkopf südlich von Neuenweg

 

Werner Störk Copyright © 2016

 
 
 
 
Quelle Generallandesarchiv Karlsruhe
 
Gemarkungskarte 1770, Ausschnitt mit „Spitzberg“ und "Bleygrub" (roter Kreis)  sowie "Steinhof".
 
 
 Ganz aktuell die Berichte im Rahmen der siebenteiligen Bergbau-Serie über Neuenweg mit Direktlinks auf die BZO:
         
  Badische Zeitung Serie Teil 1 BZ-Online 17.01.2017 Wie Neuenweg zu seinem Namen kam
  Badische Zeitung Serie Teil 2 BZ-Online 21.01.2017  Fette Schafe und reichlich Mineralien
  Badische Zeitung Serie Teil 3 BZ-Online 24.07.2017 Bergbauspuren führen nach Bürchau
  Badische Zeitung Serie Teil 4 BZ-Online 27.01.2017  Kein Eldorado für Glücksritter
  Badische Zeitung Serie Teil 5 BZ-Online 04.02.2017 Die Erzgrube bleibt verschlossen
  Badische Zeitung Serie Teil 6 BZ-Online 18.02.2017 Leben und arbeiten zwischen Steinen
  Badische Zeitung Serie Teil 7 BZ-Online 03.03.2017 Das Erbe der Bergleute
Badische Zeitung Serie Teil 8 BZ-Online 11.03.2017 Wie Neuenweg wieder aufgebaut wurde
 
 
 
  Quelle: © Google Maps, Bilder © 2017 Google, Kartendaten © 2017 GeoBasis-DE/BKG (© 2009), Google  
 
Aus der Vogelperspektive: das Bergbau-Areal am "Spitzkopf" (rot), das Terrain der Wüstung "Steinihöff" (gelb) sowie das Gelände der "Holder"-Schanze.(orange) und den Aufstiegsrouten.
 
 
 
  Quelle: © Google Maps, Bilder © 2017 Google, Kartendaten © 2017 GeoBasis-DE/BKG (© 2009), Google  
 
 

Im oberen Tal der „Belchener Wiese“ wird 1278 erstmals Neuenweg zusammen mit Elbenschwand und Bürchau erwähnt. Die damalige Charakterisierung der drei Orte lediglich als Weiler weist auf einen noch eher bescheidenen Bestand an Häusern und Höfen hin, die unter der Herrschaft der Herren von Waldeck standen.

 

Mit der Übernahme des Territoriums durch die Herren von Rötteln kommt es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts jedoch zu einer erkennbaren Weiterentwicklung im oberen Tal der „Belchen-Wiese“ oder – wie dieser Gewässer-Abschnitt auch noch genannt wird – des „Belchenbaches“ bzw. der „Kleinen Wiese“.

 
Der Grund für den einst überraschend schnelle Aufstieg vom Weiler zum Dorf, samt einer mit Pfründen ausgestatteten Kapelle, die noch vor 1360 zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, sehen viele Historiker vor allem in der neuen Ost-West-Verkehrsverbindung des „Neuen Weges“ – der Neuenweg seinen heutigen Namen geben sollte.
 
 
 
Fotos © Sammlung Werner Störk 2017
 
Typische Baryt-Lamellen aus dem "Spitzkopf"-Gang
 
 
Das alte Wegenetz zeigt, dass der Ausbau des „Neuen Weges“ nicht – von Bürchau aus kommend – dem südlich vor Neuenweg nach Nordwesten abzweigenden Klemmbach folgt, sondern direkt nach Neuenweg und dann innerorts in westlicher Richtung über den Bergsattel des “Eck“-Passes führt.
 
Diese neue Ost-West-Verbindung war eine wichtige Verkehrsachse zwischen dem östlich gelegenen St. Blasien und im Westen liegende Breisgau, wo das Kloster in der Oberrheinebene damals seine neue Besitzungen zu betreuen hatten. Hinzu kamen die wachsenden klerikalen Verbindungen zwischen den beiden jeweils regional mehrheitlich beherrschenden Machtzentren: den Klöstern St. Blasien und St. Trudpert im Münstertal – denen schon die Herren von Waldeck zinspflichtig waren.
 
Bislang standen nur mühsame und zeitaufwändige Saumpfade wie der über die Passhöhe der „Krinne“ zur Verfügung. Die weitere Anknüpfung des „Neuen Weges“ mit dem Münstertal über das „Heubronner Eck“ wird zwar erstmals 1487 urkundlich erwähnt, ist aber zeitlich auch in die Nähe der Errichtung des „Neuen Weges“ zu sehen. Damit bildete Neuenweg mit seinem „Neuen Weg“ die ideale Verbindung zwischen St. Blasien und dem Breisgau und so konnte man jetzt – im Westen der historischen „Hohen Straße“ folgend – relativ schnell Badenweiler sowie auch Sulzburg erreichen.
 
 
 
Foto & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016 
 
Komplettes Schwermineralien-Konzentrat nahe dem "Spitzkopf"-Gang aus dem Belchenbach in der Pfanne   
 
 
Neben diesem „Neuen Weg“ gab es aber auch eine zweite wichtige Komponente, welche sicherlich auch für die überraschenden Fortentwicklung Neuenwegs vom Weiler zum Dorf mit eigener Pfarrkirche verantwortlich zeichnete: der Bergbau am „Spitzkopf“ – einer markanten Bergspitze unmittelbar südwestlich von Neuenweg gelegen und damals noch als „Spitzberg“ tituliert.
 
Auch heute noch finden sich die Spuren des alten Bergbaus auf der Ostseite des „Spitzkopfes“: über dem Belchenbach lag einst ein Stollen von rund 100 Metern Länge, 12 Meter darüber ein zweiter von ca. 40 Meter Länge, 15 Meter darüber ein Schacht, beide letztere waren schon lange verstürzt. Heute zeugt noch ein verfallenes Stollenmundloch mit Halde unterhalb des Fahrweges von dem einstigen Montanbetrieb.
 
 
 
Foto Werner Störk Copyright © 2017
 
Im Winter: das untere "Spitzkopf"-Haldenareal über der Kleinen Wiese - von der Wüstung "Steinihoff" aus gesehen.
 
 
Wie auch bei der allgemeinen Geschichte des hinteren Kleinen Wiesentals macht sich ebenso bei der Montangeschichte der generelle Mangel schriftlicher Zeugnisse bemerkbar und es bleibt offen, wann genau das Bleierzvorkommen am „Spitzkopf“ südlich von Neuenweg entdeckt und zuerst abgebaut worden ist. Der Großteil dieser Abbaue, vom unteren Stollen vielleicht abgesehen, gehört wohl nach Meinung der Montanexperten der Zeit vor 1600 an und fällt vermutlich ins 15. Jahrhundert.
 
 
Foto Werner Störk Copyright © 2016
 
Im Sommer: etwas "verdeckter" Blick auf die Halde.
 
 
Wichtig bei dieser zeitlichen Zuweisung ist die von Montanexperten festgestellte Tatsache, dass die stark durchgrabene Halde des oberen Stollens auch in der Tiefe keinerlei kleinstückiges Gangmaterial enthält, wie es für das 13./14. Jahrhundert charakteristisch ist. Und etwa im Todtnauer Revier und im Münstertal oft anzutreffen ist. Dagegen sind auf der Halde Bergeisen in großer Zahl gefunden worden. Typischerweise wurden „Gezähe“ (Bergeisen) bis ins 14./15. Jahrhundert sehr sorgfältig gehütet und erst im 16. Jahrhundert relativ achtlos behandelt. Daher stammen fast alle Bergeisenfunde in unserer Region aus dem 16./17. Jahrhundert und teilweise auch aus dem 18./19. Jahrhundert. Diese Abschätzung anhand der Gezähe vom „Spitzkopf“ würde also einen Beginn des Abbaus im 15. Jahrhundert stützen, ebenso wie das relativ grobkörnige Haldenmaterial.
 
 
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016
 
Baryt- und Fluorit-Stücke aus dem Belchenbach nahe dem "Spitzkopf"-Gang.
 
 
Foto & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016
 
Reicherz Galenit (Bleiglanz) aus dem "Spitzkopf"-Grubenareal (Gonderbacher Platten).
 
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016
 
 
Bergherr war in Neuenweg der Markgraf von Hachberg-Rötteln, durch Erbvertrag erwarben dann zu Anfang des 16. Jahrhunderts die Markgrafen von Baden die Landeshoheit. Mit den Anfängen des Bergbaus am „Spitzkopf“ ist – da bin ich mir zwischenzeitlich wirklich sicher – auch die Funktion des "Schlossbodens" in der Nähe des „Eck“-Passes zu sehen. Die topographische Lage des Schlossbodens“ liegt unmittelbar an diesem wichtigen Paßweg und gleichzeitig an der für einen solchen Überwachungszweck optimal nutzbaren engsten Stelle des ganzen Tales. Und es ist der einzige Punkt, von dem aus alle relevanten Beobachtungs-, Kontroll- und Zugangspunkte visuell erfasst und auch Vorort schnell erreicht werden konnten. Dies gilt vor allem für das markante Areal des „Spitzkopfs“, der mit seinem Silberbergwerk einen besonderen Augenmerk und eine unmittelbare Schutzfunktion beanspruchte. Und nur hier vom „Schlossboden“ aus konnten die Bergherren die westlichen und östlichen Zugangswege aus den fremden Herrschaftsgebieten leicht kontrollieren, da von Süden her aus dem eigenen Territorium keine Gefahr drohte. Deshalb wurde auch der Standort des „Schlossbodens“ strategisch bewusst so gewählt und eben nicht in unmittelbare Nähe zur Erzgrube gelegt, da dort eine Überwachung der entscheidenden Zugangswege nicht möglich war.
 
 
 
Quelle Generallandesarchiv Karlsruhe
 
 
 
Quelle Generallandesarchiv Karlsruhe
 
Die Kartusche – ein ornamental ausgestalteter Rahmen für den Kartentitel (auf der Karte rechts unten) – verweist auf den
Geometer C. F. Eberhardt  – dessen Beschreibung vom südlichen Belchegebiet aus dem Jahre 1773 im Text zitiert wird.
 
 
Die wohl erste detaillierte Beschreibung auch des südlichen Belchengebietes und damit auch mit umfassenden Hinweisen auf den Neuenweger und Heubronner Bann stammt von dem Geometer Karl Friedrich Erhardt aus dem Jahre 1773. Von ihm stammt auch der Gemarkungsplan von Neuenweg (siehe oben). Wobei er auch auf die besondere Alltagsssituation der Bewohner eingeht: „Jedoch baut man hierselbst nicht Frucht genug. Die Nahrung ist die Speise der Erdäpfel und die Genießung geschwellter Acker- oder Saubohnen. Die Viehzucht ist allhier stark. Das Schafvieh wird allhier im Sommer sehr fett, aber allda nicht erzogen, sondern vom Land zur Weide und zur Fettzeit wieder verkauft, doch ohne Wolle. Obst wächst außer Kirschen allhier keines, und das Gartengewächs ist Mangold und Salat.“
 
 
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016 
 
Baryt- und Fluorit-Stücke aus dem Belchenbach nahe dem "Spitzkopf"-Gang. 
 
 
Karl Friedrich Erhardt verdanken wir aber auch eine sehr detaillierte Beschreibung der Grube am „Spitzkopf“. „An diesem Berg unten über den bach ist noch ein Baubares gruben gebäude. Ich habe es gewagt, dieses alte Gruben Gebäude selbsten zu befahren. Der Gang, der sich ist allhier vorfindet, ist ein seigerer Spathgang. Auf solchen Gang ist ohngefehr 4 Lachtern über dem bach ein Stollen mit 50 Lachtern angetrieben, so dann  in der Erhöhung von 6 Lachtern sich ein seigerer Schacht befindet, der bis auf den zwei niederen Stollen herunter gehet, oberhalb aber sowie das Mundloch des Oberen Stollens Zugefallen ist.“ Nach 20 Lachtern zeigt sich im unteren Stollen eine Kluft mit rotem, fettem Ton, von wo ab die Firste aufwärts bis in den oberen Stollen ausgebaut waren. „So dann gehet dieser Stollen bis unter den Schacht und von da etliche weitere Strecken, so aber durch den Schacht verfallen, auf dem Gange fort.“
 
Das Adjektiv „seiger“ (oder auch „saiger“) ist ein im Bergbau und in der Geologie meist synonym für senkrecht, lotrecht oder vertikal verwendeter Begriff, der zur näheren Beschreibung der Raumlage bergbaulicher oder geologischer Gegebenheiten sowie für die Neigung (senkrecht bis waagrecht) von Stollen und Schächten benutzt wird – im vorliegenden Fall von 75 – 90 Grad. Und das bei Erhardt beschriebene „Baubare gruben gebäude“ meint das „Grubengebäude“ oder „Berggebäude“ als Gesamtheit aller unterirdischen Hohlräume der Bergwerkes. Dies Maßeinheit „Lachter“ entspricht heute ca. 1,80 Meter. Wobei der beschriebene „Spathgang“ ein Hinweis auf eine Mineralienführung mit Baryt (Schwerspat) ist und mit dem „Mundloch“ der Stolleneingang, die „Tagesöffnung“ des Stollens, gemeint ist.
 
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk Copyright © 2017
 
Originale Belegstücke aus dem "Spitzkopf"-Gang
 
 
Mit Erhardts Grubenbeschreibung kommt erstmals Licht in das doch immer noch überwiegend im Dunkel der Geschichte liegende Kapitel der Blei- und Silbergewinnung am „Spitzkopf“. In allen Stollen war, so stellte Erhardt bei seiner Grubenbefahrung (Begehung) fest „da solche auf eine erstaunliche Art verhauen ist“, und somit nur Schlägel- und Eisenarbeit zu erkennen war, also selbst bei den jüngsten Abbauversuchen immer noch auf reine Handarbeit gesetzt wurde.
 

Auf der Gemarkungskarte von 1770 ist die „Bleygrub“ am östlichen Fuß des „Spitzbergs“ und gegenüber dem Wüstungsareal vom „Steinhof“ eingetragen. Und damit auch klar benannt, nach was man im Berg suchte: nach abbauwürdigem Bleierz. Dies kommt in Neuenweg in Form von Bleiglanz und Pyromorphit (auch Grünbleierz, Braunbleierz oder Polychrom) vor. Davon berichtet auch Erhardt und beschreibt ein reiche Erzführung von „grobwürflichtem Bleyglantze von 2 bis 3 Pfund“ sowie „grünem Bley ertze“ (Pyromorphit).

 
Der Bleiglanz – auch Galenit genannt – ist auf Grund seines hohen Bleigehalts von bis zu 87 % das wichtigste Erz zur Gewinnung von Blei. Aber vor allem auch wegen seines Silbergehalts von 0,1 – 1 % das wichtigste Silber-Erz
 
 
 
Foto & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016  
 
Seifen- oder Waschgold (Flitterchen oder Pailletten) aus dem Belchenbach
 
 
Wobei die durchschnittliche Abbauwürdigkeit bei Silber im Schwarzwald zwischen 0,03% und 0,05%, also zwischen 300 bis 500 Gramm pro Tonne Gestein schwankte. Nur in seltenen Fälle wurde eine Abbauwürdigkeit von 0,15 %, also von rund 1500 Gramm pro Tonne, angetroffen.
 
Die Neuenweger Bleigrube war – so meine Interpretation – zumindest in ihren Anfängen wohl eine ausgesprochen reiche Silbergrube. Wichtig für eine zutreffende Einschätzung der Ertragslage der Grube ist Erhardts Hinweis, dass sehr viel Erz gewonnen wurde und man deshalb „zwey Stollen über ein ander angeleget und gar nicht in die Teufe zu arbeiten nöthig gehabt hat!“ Und weil der Erzgang eben noch nicht nach unten abgebaut war, schien Erhardt die Grube selbst noch im Jahre 1773 durchaus immer noch „bauwürdig“ zu sein und er so offensichtlich gute Chancen für eine weitere erfolgreiche Erzsuche sah
 

 

 
 
Foto & Sammlung Werner Störk Copyright © 2017   
Originales Belegstück aus dem "Spitzkopf"-Gang. 
 
 
Auch in den anderen, früheren schriftlichen Quellen finden sich Hinweise auf die reiche Erzführung. So heißt es im Jahre 1819 – bezogen auf das Jahr 1779 –  über die Neuenweger Grube: „Die Grube ist, wie mir vor 40 Jahren ein 84jähriger Neuenweger Bewohner angab, der dabey als Karrenläufer arbeitete, Anno 1709 durch einen  Bürger von Schönau mit 5 Arbeitern betrieben und wegen Kriegs-Unruhen verlassen worden. Es sey gar viel Erz da gewesen, man habe es nicht geachtet, wenn von Hafnern die Halde durchsucht, und auch Erz ausgeschieden worden“. Nimmt man die Jahresdaten als Ausgangsbasis, muss der Neuenweger Bürger 1695 geboren sein und bereits als 14-jähriger im Bergwerk gearbeitet haben. Mit dem Hinweis auf die „Hafner“ ist zunächst die Berufsgruppe der Töpfer gemeint, im damaligen Sprachgebrauch aber vor allem auch als Synonym für ärmere Bevölkerungsschichten verwendet, die sich durch das Haldenabsuchen nach kleinen Erzresten einen minimalen Zuverdienst hofften.
 
Und 1773 vermerkt schon Geometer Erhardt in seinen Aufzeichnungen von „beschehener sonderbahren begebenheiten, welche einige noch lebende hiesige Bürger selbsten wollen gesehen respective und gehört haben“ und berichtet davon, dass „nach Aussage 80jähriger Männer von Neüweg und Birchau sollen hieselbsten sehr reiche Silber Wercke gewesen seyn, so aber schon in dem 30jährigen Krieg verlassen worden. Man findet auch hieselbsten hie und da Ansätzte von Stollen gebaüden in taubem Gestein.“
 
Dies veranlasste manchen Montanhistoriker zu der Vermutung, dass sich deren Aussage “als Erinnerungsrest mehr auf die St. Trudpertsche Belchen-Nordseite bezogen haben dürfte, im Gefolge des verdämmernden Wissens aber auf das Kleine Wiesental übertragen wurde.“
 
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016  
 
Waschpfanne mit ca. 2,5 Kilogramm Waschbrett-Material - dann auf ca. 25 Gramm Konzentratt und- bis zum Biokular auf 5 Gramm reduziert.
 
 
Interessant dabei ist auch, dass in den meisten Quellenzitaten nur von Männer aus Neuenweg, nicht aber auch von denen aus Bürchau geschrieben wird. Offensichtlich besaßen aber auch sie Wissen um Silberbergwerke. Schon länger mutmaßen Geologen und Bergbauexperten, dass eine Fortsetzung des Bleierz-Ganges der „Spitzkopf“-Grube über das Kleine Wiesental hinweg nach Süden möglich erscheint, aber bislang nicht gesichert ist. Dennoch läuft die Gangrichtung relativ exakt auf den Bürchauer „Silberberg“ zu.
Und es ist nicht nur der „Silberberg“, sondern auch das „Silbereck“ – gleich zweifach – die als Flurnamen in Bürchau existieren. Grund genug, auch im Bereich von Bürchau nach archäologischen Spuren des früheren Bergbaus zu suchen. Mit freundlicher Unterstützung von Ortsvorsteher Friedrich Meier wurden ältere Bürger befragt – leider ohne verwertbare Hinweise. Dennoch ergab die parallel laufende intensive Auswertung großformatiger Topographiekarten eine Überraschung: genau dort, wo bislang weder Geologen noch Mineralogen gesucht haben, finden sich „verdächtige“ Flurnamen: „Auf der Grube“, „Unter der Grube“ und „Im Grubenwald“  – da Flurnamen nicht ohne Grund vom Himmel fallen, sondern oft auch altes Wissen wiederspiegeln, wird jetzt jenes Gebiet auch intensiver unter die Lupe genommen.
 
 
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016 
 
Magnetischer Trockenauszug einer Probe aus dem Belchenbach 
 
 

Die in der Fachliteratur stets lapidar übernommene Annahme, dass jene Männer aus Neuenweg und Bürchau 1773 nur auf Grund ihres „verdämmerndes Wissens“ zu einer Fehleinschätzung kamen, widerspriche ich mit Nachdruck. Die mündliche Überlieferung umfasst erfahrungsgemäß das tradierte Wissen von rund 100 Jahren und berührt in dem genannten Fall somit bereits die Epoche des 16. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang sollten auch die Bergbauversuche in der Nähe der Belchenhöfe nochmals genauer untersucht werden.

 
Wobei der Bergbau in unmittelbarer Nachbarschaft von Neuenweg eben bereits um 1588 stark abgenommen hatte, was sich auch in einer sichtbaren Reduktion des Häuserbestandes jener Orte sichtbar niederschlägt, die ihren Aufstieg vor allem dem Bergbau verdankten. So verlor beispielsweise – bezogen auf das Jahr 1352 – Schönenberg rund 60 Prozent seiner einstigen Siedlungsgröße und selbst eine ausgesprochene „Bergbaustadt“ wie Schönau sah ihre montane und damit auch wirtschaftliche Dominanz schwinden. Naturgemäß haben auch die Pestwellen von 1611 bis 1613 zum Niedergang des Bergbaus beigetragen. Auch auf dem Todtnauer Berg wurde bereits 1601 in allen Gruben ihre Arbeit eingestellt. Und der Dreißigjährige Krieg brachte den Bergbau nicht nur hier lokal, sondern auch großflächig vollends zum Erliegen.
 
 
 
Foto & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016  
 
Angereichertes Schwermineralien-Konzentrat aus dem Belchenbach in der Pfanne  
 
 
Hinzu kommt, dass über den frühen Bergbau am „Spitzkopf“ – vor allem aus seinen sicher erfolgreichen Anfängen (dafür sprechen gleich mehrere Indizien) – keine schriftlichen Quellen vorliegen. Dagegen ist die spätere Quellenlage über die zahlreichen erfolglosen Bemühungen, den Bergbau am „Spitzkopf“ wieder aufzunehmen, wesentlich ergiebiger. So entstand aber genau jenes unzutreffende Gesamtbild, das auch durch die sehr reichen Silbervorkommen der benachbarten Gruben wie jenen von Schönau und Todtnau noch verstärkt wurde.
 
 
 
 
Foto & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016  
 
Ausbeute eines Waschgangs: Baryt- und Fluorit-Stücke aus dem Belchenbach nahe dem Spitzkopf-Gang. 
 
 
Dass Neuenweg als Dorf – entsprechen analoger Beispiele aus dem benachbarten Montangebiet – aber auch nicht so nachhaltig unter dem späteren Scheitern bzw. dem dann endgültigen Erlöschen des Bergbau litt, hängt mit seiner inzwischen gewachsenen Bedeutung als verkehrstechnischer und damit auch geopolitischer und konfessioneller Dreh- und Angelpunkt zusammen. Aus dem sich Neuenweg aber auch als militärisch-strategischer Brückenkopf herauskristallisiert. Wobei hier seine konfessionelle und territoriale Grenzlage – vergleichbar mit der von Gersbach – einen wesentlichen Anteil hat. So berühren nationale bzw. europaweite kriegerische Konflikte mittel- und unmittelbar auch das Dorf am Belchen, sei es der 30-jährige Krieg (1618 – 16148), der Spanische Erbfolgekrieg (1701 – 1714) oder der Polnische Erbfolgekrieg (1733 – 1735): Neuenweg wird so für viele durchziehenden Truppen zum idealen Lager-, Quartiers- und Kontributionspunkt – und damit verbunden aber auch ein heute kaum vorstellbares Leiden der ansässigen Bewohner. Hunger, Rechtlosigkeit, Willkür und massive Übergriffe prägten jenen Alltag der Zivilbevölkerung.
 
 
 
Freigabe am 02.02.2017 Az.:2851.3-A/899 durch Luftbildstelle des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg Stuttgart www.lgl-bw.de ©
in Kooperation mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst RP Stuttgart Ref.16 Baden-Württemberg Stuttgart © Az.:2851.3-A/899
Archiv & Sammlung Werner Störk 2017
 
Kriegsluftbild der US-Luftwaffe von 1945: Neuenweg mit Belchen
 
 
 
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Kriegsluftbild der US-Luftwaffe von 1945: Belchengipfel mit "Belchenhaus" und Granattrichter (Detail)  
 
 
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Letztes unmittelbare Kriegsereignis: Ende April 1945 rückten französische Einheiten in den Hochschwarzwald vor. Vom "Hau" aus wurde der Belchengipfel zuerst einmal mit Artillerie beschossen. Bis in die 70er Jahre sah man dort noch einige flache Granattrichter.
 

Hintergrund: In der Spätphase des Zweiten Weltkriegs plante das Dritte Reich auf dem Belchen eine große Störfunkanlage, mit welcher der Funkverkehr der anfliegenden alliierten Bomberverbände gestört werden sollte. Neben der Anlage selbst wurden als Unterkünfte für die Bedienungsmannschaften auch mehrere Erdbunker angelegt. Um die Stromversorgung zu gewährleisten, wurde von Utzenfeld aus eine Starkstromleitung gelegt, die ab Multen bis zum Gipfel sogar bereits verkabelt war. Das ganze Vorhaben konnte aber auf Grund des baldigen Kriegsendes nicht mehr verwirklicht werden. Es waren wohl jene Erdbunker, in denen die französischen Truppen, die Ende April 1945 auch Neuenweg erreichten, mögliche Widerstandsnester des „letzten Aufgebots“ vermuteten und daher zunächst vom "Hau"-Pass aus die gesamte Südflanke des Belchengipfels mit starkem Artilleriefeuer belegte. Nach dem Beschuss wurde der Belchengipfel kampflos eingenommen, das Berghotel „Belchenhaus“ geplündert und das dort ebenfalls befindliche Erholungsheim der Firma „Schusterinsel“ aus Lörrach in Brand gesteckt.

 
 
 
Fotos  Werner Störk Copyright © 2016
 
Auswahlkriterien als "Leitlinien" für einen geeigneten Standort beim Prospektieren mit dem Waschbrett - vor und nach der Prospektion.
Das dem Bachbett entommene und gefloatete Material wird anschließend wieder homogen eingebracht.
 
 
Und auch beim Bergbau ist es die mit der Glaubensspaltung 1555 einhergehende territoriale und konfessionelle Trennung, die sich in Neuenweg selbst bergrechtlich niederschlägt. Denn Neuenweg liegt auf dem Gebiet der evangelisch-baden-durlachischen Markgrafschaft und nicht auf katholisch-habsburgisch-vorderösterreichischen Reichsgebiet. Eine Tatsache, die sich noch im späten 18. Jahrhundert  bemerkbar macht. Der österreichische Machtanspruch vom 4. Mai 1787 hatte alle Bergrechte rings um den Belchen in einer Hand vereinigt. Der gesamte österreichische Breisgau und Schwarzwald war in den 1790er Jahren in drei Reviere aufgeteilt: Münstertal, Hofsgrund (mit Stohren) und Todtnau mit Urberg/St. Blasien. Aber eben mit einer einzigen Ausnahme: Neuenweg – denn es lag nicht auf vorderösterreichischem Territorium.
 
Und während der Bergbau auf Grund der kriegerischen Konflikte auch nach dem Aachener Frieden von 1748 sonst noch weithin ruht, macht auch hier der Montanbetrieb in Neuenweg wieder eine Ausnahme. Zwischen 1707 und 1730 kommt es zu verstärkten Bemühungen, den Bergbau am „Spitzkopf“ – damals immer noch als „Spitzberg“ bezeichnet – wiederzubeleben.
Aus dem Jahre 1707 existieren drei Schriftstücke „wegen der leidigen Bley Ertz grueben zu neyerweg“ mit dem Hinweis, „dass dort ein unkundiger sächsischer Soldat als Bergmann arbeite.“ Laut den Quellen hatten die Bemühungen, die wohl der Öffnung des alten Schachts und des „Erbstollens“ (Stollen zur Entwässerung darüberliegenden Stollen und zur sog. Wetterführung/Belüftung) von der Talsohle der Belchenwiese her galten, einen Fehlschlag erlitten.  
 
1709 wird von der Aufnahme des Bergbaus durch einen Schönauer Bürger mit fünf bis sechs Mann berichtet. Doch der Versuch des St. Blasianischen Amtsmanns Johann Michael Lais von Schönau zusammen mit dem Hans Senn von Neuenweg die alte Grube am „Spitzkopf“ wieder zu erheben, scheitern. Offensichtlich wird die Grube auch wegen der Kriegszeiten (Spanischer Erbfolgekrieg) aufgegeben. Auf Grund meiner umfangreichen Recherchen im Zusammenhang mit dem Fund eines Türsturzes aus dem Jahre 1767 gehe ich davon aus, dass jener Hans Senn von 1709 mit großer Wahrscheinlichkeit der "Krone"-Wirt  – also der Besitzer der "Krone" in Neuenweg war – und daher vermögend genug, um sich als Kapitalgeber in das kostspielige und risikoreiche Bergbaugeschäft einzukaufen.
 
 
Fotos & Sammlung Werner Störk Copyright © 2016 
 
Baryt-Fluorit-Belegstücke aus dem Belchenbach nahe der "Spitzberg"-Grube 
 
 
Dass es trotz der konkreten Namensnennung von „Hans Senn“ aus Neuenweg nicht gerade einfach ist, den betreffenden Namensträger exakt zu identifizieren, macht die recherchierte Namensliste deutlich. So gibt es in Neuenweg bzw. Heubronn gleich mehrere dort Geborene mit dem Namen „Hans Senn“: einen frühen Hans Senn von 1605 bis 1709, dann ein Hans Senn von 1655 bis 1710, einen weiteren Hans Senn von 1682 bis 1727 sowie einen Hans Senn von 1682 bis 1762, wobei man – bezogen auf den jeweiligen Todeszeitpunkt – bereits den Hans Senn (1608 – 1702) ebenso wenig berücksichtigte wie jenen Hans Senn aus Heubronn (1615 – 1666) oder auch jener Hans Senn aus Neuenweg von 1630 – 1682.
 
Recherche-Nachtrag
 
Aus der Liste (vergl. oben) der historisch nachgewiesenen Personen mit dem Namen Hans Senn schält sich – unter Berücksichtigung aller erreichbaren Daten – jener Hans Senn heraus, der am 19.12.1655 in Neuenweg geboren wurde. Wie die Einträge in den Kirchenbüchern vermerken, war er Wirt, Schmiedemeister, Gerichtsbeisitzer und Weidegeselle. Letzte Bezeichnung ist heute nicht mehr im Sprachgebrauch und wohl am besten heute mit einem Jagdpächter vergleichbar. Enger gefasst bedeutet der Begriff primär Jagdgefährte.
 
Bereits 1750 wird ein Jacob Senn als „Kronenwirt“ bezeichnet, was mittelbar auch darauf hinweist, dass aus der ehemaligen Gemeindewirtschaft eine Wirtschaft mit Realwirtschaftsrecht entstanden ist. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass die Vorgänger von Jakob Senn – ebenfalls dem Geschlecht der Senns angehörend – nur als „Wirte“, aber nicht explizit als „Kronenwirte“ betitelt wurden.
 
Wie bedeutsam das Geschlecht der Familie Senn für das kommunale Leben in Neuenweg zeigt auch, dass bereits der Vater von Hans Senn, Johannes Senn, Wirt und Vogt (vergleichbar mit der Funktion des Bürgermeisters in den Stadt, heute: Ortsvorsteher) in Neuenweg war. Wobei er seine Tätigkeit als Wirt auch schon in dem Haus ausübte, das später dann das Realwirtschaftsrecht und den Namen „Zur Krone“ erhielt. Die Frau von jenem Hans Senn (1655 bis 1710), eine geb. Roßkopf aus Kandern, war eine betuchte Vogtstochter aus der Hammerschmiedefamilie Roßkopf in Kandern. Der Sohn Simon von Hans Senn wurde ebenso Vogt, war benfalls Schmiedemeister und Waisenrichter.
 
Die Bezeichnung Waisenrichter geht auf die Badische Landsordnung von 1612 zurück und bedeutet zunächst eine mit öffentlichem Vertrauen ausgestattete Person. Auf heute übertragen, käme wohl die Berufsbezeichnung Notar oder Nachlassverwalter bzw. Nachlassrichter inhaltlich dem damaligen Waisenrichter am nächsten. Ein Nachlassrichter hat u.a. die Aufgabe, Verfügungen von Todes wegen (Testamente und Erbverträge) des Erblassers zu eröffnen und die Beteiligten vom Inhalt dieser Verfügungen zu unterrichten sowie auf Antrag eines Erben einen Erbschein zu erteilen und Erbausschlagungen entgegenzunehmen.
So wie es auf Grund der Kirchenbuch-Einträge rekonstruierbar ist, wird wohl der Neffe von Hans Senn (1655 bis 1710), Johannes Senn, Bäcker und Wirt (1682 bis 1727), die Wirtschaft dann weitergeführt haben.
 
In mehreren Quellen wird davon berichtet, dass 1709 durch einen den Schönauer Bürger und von St. Blasien eingesetzten Amtmann, dem Johann Michael Lais zusammen mit dem 54-jährigen Neuenweger Hans Senn (1655 bis 1710) – gemeinsam mit fünf bis sechs Arbeitern – der Montanbetrieb am „Spitzkopf“ wieder aufgenommen wurde. Doch auch dieser Versuch, die alte Grube wieder zu erheben, scheitert. Daher ist auf Grund der jetzigen Recherchen und Personendaten anzunehmen, dass die Grube offensichtlich nicht nur – so die offizielle Version – „wegen der Kriegszeiten“ (Spanischer Erbfolgekrieg) aufgegeben wurde, sondern vermutlich auf Grund dessen, dass einer der beidwn Kapitalgeber, nämlich Hans Senn aus Neuenweg, bereits ein Jahr später schon im Alter von 55 Jahren, stirbt.
 

Natürlich haben wir auch überprüft, inwiefern der andere Hans Senn (1682 bis 1727) in unserer Auflistung derjenige war, welche bei diesem Unternehmen im Jahre 1709 Mitfinanzier war. Er wäre – im Gegensatz zu seinem Onkel – zu jenem Zeitpunkt erst 27 Jahre alt gewesen – wohl noch zu jung, um bereits ein solche Vermögen erwirtschaftet zu haben, um einen Grubenbetrieb zu finanzieren.

 
Interessant ist auch das Recherche-Ergebnis zur Person von Martin Schwald (vergl. 1729 unten): Es handelt sich dabei um jenen Martin Schwald, der als „Bürger an der Eck“ am 23. 01.1691 in Neuenweg geboren wurden und als 38-jähriger zusammen Johann Sebastian Nicolaj und Hans Georg Kamperlahn – beide aus Sulzburg – 1730 das Grubenfeld am „Spitzkopf“ unter dem Namen „Gott hilft gewiß“  erneut bergmännisch erschließen wollten. Dieser letzte Versuch, den Bergbau am Spitzkopf wiederzubeleben, scheiterte 1731 durch den Bankrott von Johann Sebastian Nicolaj als wichtigstem Kapitalgeber.
 
Jener Martin Schwald heiratete am 13. August 1715 Barbara Brutschin, die aber bereits am 26. 09.1729 in Neuenweg erst 34-jährig starb. Martin Schwald heiratete ein zweites Mal am 30. Mai 1730 in Neuenweg Barbara Netzhammer aus Kandern. Sie war eine Tochter des Heinrich Netzhammer, der als Schmelzer im „Löblichen Bergwerk zu Kandern“ arbeitete und mit Maria Saltzmann verheiratet war. Sie stammte aus Kaltenbach im oberen Kandertal vom dortigen sehr begüterten Meierhof von St. Blasien. Diese Vita legt nahe, dass Martin Schwald über die Kontakte nach Kandern wohl direkte Bezüge zum Bergbau hatte und daher auch in Neuenweg wieder aktiv wurde.
 
Fazit und Interpretation
 
Ich führe die verstärkten Bestrebungen, um 1700 den Bergbaubetrieb am Spitzkopf wieder aufzunehmen, u.a. auch darauf zurück, dass neben den wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten im Hintergrund aber auch das "Ausbleichen" der "oral history" - also der mündlichen Überlieferung von denr einst reichen Silberbergwerken einen nicht unwesentlichen Anteil beisteuerte. Heute nimmt man als dafür eingesetzte Zeitspanne rund 100 Jahre an, in der das mündlich tradierte Wissen weitergegeben wird. Rechnnet man von 1700 somit 100 Jahre zurück, ist man noch vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648), als jener Epoche, in  der die montanen Aktivitäten - so die mündliche Überlieferung - am "Spitzkopf" und auch in Bürchau bereits beendet waren. Die in mehreren Quellen geäußerte Ansicht,, dass sich   die vermeintlichen Silberbergwerke in Neuenweg und Bürchau sich “als Erinnerungsrest mehr auf die St. Trudpertsche Belchen-Nordseite bezogen haben dürfte, im Gefolge des verdämmernden Wissens aber auf das Kleine Wiesental übertragen wurde“ teile ich auf Grund der besprochenen Indizien auf gar keinen Fall.

 

Um 1720 sollen – so berichten die Quellen – „vier Bergleute vier Jahre auf eigene Faust gearbeitet haben.“

 
1729 begehrten dann der ehemalige Bergwerkskassier der St. Georgszeche im Böschlinsgrund bei Sulzburg Johann Sebastian Nicolaj, dessen Schwager, der Sulzburger Kaufmann Hans Georg Kamperlahn und Martin Schwaldt aus Neuenweg die Belehnung mit dem Grubenfeld am „Spitzkopf“ unter dem Namen „Gott hilft gewiß“.
 
Nach Entrichtung des „Muthgroschens“ (Gebühr für die behördliche Genehmigung) wurde ihrem Antrag am 5. Juli 1730 entsprochen und die „Fundgrube mit zwei Obern und zwei Untern Maßen auf einem flachen Gang nebst einem tiefen Erbstollen samt zugehörigen Stollrecht auf alle Metalle und Mineralien“ verliehen.
 
 
 
Fotos Werner Störk Copyright © 2016 
 
Das Wüstungs- und Bergbau-Areal der historischen Bleierzgrube an der Ostflanke des Spitzkopfs (historische Bezeichnung: Spitzberg).
 
 
Da die neuen Grubenbesitzer gleichzeitig zwei weitere Bergwerke bei Badenweiler, das „Haus Baden“ und der „Carl-Stollen“, wieder in Betrieb nehmen wollten, aber auch dort erfolglos blieben, war 1731 Johann Sebastian Nicolaj bankrott und alle drei Projekte der Wiederbelebung des Bergbaus scheiterten.
 
1773 ordneten die badischen Behörden eine geologische Untersuchung des Belchengebietes an, die man dem bereits erwähnten Geometer Erhardt übertrug. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang auch das von ihm entdeckte Anthrazit-Vorkommen an der Nordostflanke des „Spitzkopfs“, das sich – auch nach dem Vortrieb eines Versuchsstollens – aber nicht als wirklich abbauwürdig erwies. Grund: die anthrazitführenden Kulmkonglomerate werden dort unmittelbar von kulmischen (anthrazitfreien) Deckenergüssen abgelöst.
 
 
Foto Werner Störk Copyright © 2017 
 
Im Grubenareal am "Spitzkopf".
 
 
 
Foto Werner Störk Copyright © 2017 
 
Im Grubenareal am "Spitzkopf".
 
 
Foto Werner Störk Copyright © 2017  
 
Im Grubenareal am "Spitzkopf".
 
 
Zwischen 1780 und 1790 konnte der unter Stollen noch begangen, also „befahren“  werden, wie dies in der Bergmannssprache heißt. Der Bericht weist darauf hin, dass „die Erze sogar in neuern Zeiten nur mit Schlägel und Eisen gewonnen worden seyn weil man durchaus keine Spur von einem Bohrloch antrifft“.
1819 verweisen die Quellen erneut auf die „Spitzkopf“-Grube. Die danach wohl zunehmend verfallene Erzgrube am „Spitzkopf“ zog 1922 nochmals das Interesse auf sich. Der alte Erbstollen wurde geöffnet, doch die geplante Befahr-ung kam nicht mehr zustande. Der untere Stollen war laut Zeitzeugen aus Neuenweg noch 1935 auf 70 Meter begehbar.
 
 
 
Foto Werner Störk Copyright © 2017 
 
Im Grubenareal am "Spitzkopf" mit direktem Blick auf die Wüstung "Steinihoff" 
 
 

Um 1960 veranlasste die Gewerkschaft Finstergrund erneute Prospektionsarbeiten und dokumentierte in deren Rahmen auch Gangmaterial, das unmittelbar nördlich des „Steinehofs“ gefunden. Für mich ein weiteres Indiz dafür, dass der „Steinehof“ unmittelbar in Zusammenhang mit den  montanhistorischen Aktivitäten der „Spitzkopf-Grube“ am „Spitzberg“ stand und es kein Zufall ist, dass diese Wüstung dort liegt, wo heute noch einige archäologische Bodenspuren auf ihre einstige Existenz hinweisen.

 
Genaue Quellenangabe für die Zitate auf Nachfrage. Der gesamte Aufsatz unterliegt dem Copyright des Verfassers.

 

 
Zum Schluß noch ein Blick in die Welt der montanhistorische Sagen- und Legenden:
 
Im hinteren Kleinen Wiesental, vor allem aber in Neuenweg und Heubronn selbst, ist in der "oral history" (mündlicher Überlieferung) "seit Urgroßvaters Zeiten bekannt", dass einer der Stollen der "Spitzkopf"-Grube einst durch den ganzen "Spitzkopf" hindurch bis nach Heubronn führte und gegenüber von diesem Bauernhof (Foto unten, vorderer Hof) herauskam. Er soll in unsicheren Zeiten als Zuflucht und schnelle Durchgangsmöglichkeit gedient haben.
 
 
 
Foto Werner Störk Copyright © 2017 
Empfehlenswerte Literatur:

Albrecht Schlageter (1989): Zur Geschichte des Bergbaus im Umkreis des Belchens, (S. 129 – 309), in: Der Belchen. Geschichtlich-naturkundliche Monographie des schönsten Schwarzwaldberges, in: Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-Württembergs, Band 13, herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Institut für Ökologie und Naturschutz, Karlsruhe 1989, 1320 Seiten mit 331 farbigen  und 320 schwarzweißen  Abbildungen und 88 Tabellen sowie einer farbigen Kartenbeilage, ISSN 0470-3669.

Helge Steen (2013): Bergbau auf Lagerstätten des Südlichen Schwarzwaldes - Ein Beitrag zur Bergbaugeschichte und Lagerstättenkunde zwischen Dreisamtal und Hochrhein. ISBN  978-3-7322-3154-6
 
 
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* Die Mineralisation besteht aus verquarztem Granit, der von 1 bis 15 cm mächtigen Trümmern aus spätigem Baryt durchadert wird. In Drusen fand sich grünlicher Fluorit als Würfel. Außerdem traten Hämatit und Quarz auf.Der Gang bestand im unteren Stollen zunächst aus einer 1 Meter mächtigen, erzfreien Barytführung, die sich im weiteren Verlauf nach Norden hinter einer kreuzenden Lettenkluft mit Galenit veredelte. Dieser war teilweise in Pyromorphit umgewandelt. Diese Paragenese kann anhand des Haldenmaterials im Wesentlichen nachvollzogen werden. Nach teils rötlich gefärbtem Quarz der Quarz-Kies-Vorphase entstand etwas Fluorit in derben grobkristallien Lagen. Sehr häufig tritt grobtafeliger, in Drusen oft sperrig verwachsener Baryt auf. Er wird örtlich von Quarz in kristallinen Überzügen bedeckt. Galenit tritt vor allem eingewachsen in Fluorit als feine Einsprenglinge oder derbe Knollen auf. Sie sind häufig stark korrodiert und in Cerussit, krusigen Pyromorphit (Bild oben, grüner Pyromorphit) und Wulfenit umgewandelt.

 
* Quelle und empfehlenswerte Literatur: 
Helge Steen (2013): Bergbau auf Lagerstätten des Südlichen Schwarzwaldes - Ein Beitrag zur Bergbaugeschichte und Lagerstättenkunde zwischen Dreisamtal und Hochrhein. ISBN  978-3-7322-3154-6
 
Persönlicher Nachtrag: mehrere Oberflächenfunde auf der Halde weisen auch violetten Fluorit auf (vergl. Spezial-Galerie).
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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